von Andrea Steuwe, Medizinphysikerin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf AÖR
Der Artikel „Patient Shielding in Diagnostic Imaging: Discontinuing a Legacy Practice“ von Rebecca M. Marsh und Michael Silosky im American Journal of Roentgenology (AJR 2019; 212:755–757) hat im letzten Monat für reichlich Diskussionen gesorgt. Die Hauptaussage des Artikels ist, dass Bleischürzen bei falscher Anlage zu einer erhöhten Strahlenexposition führen können, wenn als Folge Aufnahmen wiederholt werden müssen oder die automatische Dosisregulation von Röntgengeräten oder CT-Scannern zu einer Erhöhung der Strahlenexposition führt.
Laut Artikel liegt der Strahlenschutz also hauptsächlich in der Qualität der Anwendung einer z.B. Bleischürze. Korrekt beschrieben ist, dass die Strahlenexposition bei Röntgenaufnahmen über die Jahre geringer geworden ist und technische Hilfsmittel, wie das Einblenden von Aufnahmen, zur Dosisreduktion der umliegenden Gewebe führt. Auch korrekt ist, dass ein Großteil der Strahlung in nicht direkt exponierten Geweben durch interne Streustrahlung entsteht, die auch mit dem besten Bleischutz nicht zu verhindern ist. Die Hauptaussage des Artikels ist jedoch nicht, dass Strahlenschutz für den Patienten generell sinnlos ist und daher weggelassen werden sollte.
Wichtig dabei ist, dass Strahlenschutzmittel korrekt und sinnvoll angewendet werden müssen und die diagnostische Beurteilbarkeit einer Aufnahme nicht eingeschränkt werden darf. Insbesondere bei der Computertomographie muss noch darauf geachtet werden, dass Strahlenschutzmittel (z.B. ein Linsenschutz) nicht auf dem Topogramm sichtbar sind. Bei Untersuchungen mit einer bleihaltigen Hodenkapsel an drei unterschiedlichen CT-Scannern im hiesigen Institut zeigte sich, dass die automatische Dosismodulation der CT-Scanner sehr unterschiedlich auf das Blei im Scanbereich reagierte, es aber grundsätzlich zu einer Erhöhung der Strahlenexposition in dem sich an die Hodenkapsel angrenzenden Scanbereich kam, wenn die Hodenkapsel sichtbar auf dem Topogramm war.
Wird aber auf die korrekte Anwendung von Strahlenschutzmitteln geachtet, so führt diese zu einer Reduktion der Strahlenexposition und ganz nebenher auch noch zu einer Beruhigung der Patienten.